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BM Serie 5: Richtiger Umgang mit Gefahrstoffen in der Tischlerei

Geschrieben von Jochen Rau | 6. Mai 2026, 10:00:00 Z

Leime, Lacke, Reiniger oder Öle gehören zum Alltag im Schreinerbetrieb. Viele dieser Produkte enthalten Stoffe, die bei falschem Umgang gesundheitliche Schäden oder sogar Brände verursachen können. Dieser Beitrag zeigt, wie Betriebe Gefahrstoffe erkennen, sicher organisieren und Risiken wirksam reduzieren.

Foto: ChatGPT (KI-generiert)

 

Gefahrstoffe im Alltag

Freitagmittag in der Werkstatt. Ein Mitarbeiter reinigt eine Maschine mit Lösungsmittel, während am Nachbartisch Kantenleim verarbeitet wird. Auf der Werkbank liegt noch ein ölgetränkter Lappen, daneben steht ein halb geöffneter Kanister mit Reinigungsmittel. Solche Situationen entstehen im Alltag schnell. Meist ohne böse Absicht und oft ohne unmittelbare Folgen.

Doch genau hier beginnt ein Risiko, das im Schreinerhandwerk häufig unterschätzt wird. Viele Produkte, die im Betrieb ganz selbstverständlich verwendet werden, gelten rechtlich als Gefahrstoffe. Dazu gehören Lacke, Beizen, Klebstoffe, Holzschutzmittel, Reiniger oder auch bestimmte Öle.

Der Umgang mit diesen Stoffen ist Teil des betrieblichen Arbeitsschutzes. Ziel ist es nicht, die Arbeit zu erschweren. Ziel ist es, gesundheitliche Gefährdungen, Brände oder explosionsfähige Atmosphären von vornherein zu vermeiden.

 

Was eigentlich als Gefahrstoff gilt

Der Begriff Gefahrstoff wird im Alltag häufig mit aggressiven Chemikalien verbunden. Tatsächlich ist die Definition deutlich breiter. Als Gefahrstoffe gelten Stoffe oder Gemische, die gesundheitsschädlich, reizend, entzündbar oder umweltgefährlich sein können.

Im Schreinerbetrieb können solche Gefährdungen beispielsweise durch Dämpfe entstehen, die beim Lackieren freigesetzt werden, durch Hautkontakt mit bestimmten Klebstoffen oder durch entzündbare Eigenschaften von Lösemitteln. Deshalb ist es wichtig zu wissen, welche Stoffe im Betrieb verwendet werden und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind.

 

Gefahrstoffverzeichnis und Sicherheitsdatenblätter

Ein zentraler Baustein des Gefahrstoffmanagements ist das Gefahrstoffverzeichnis. Darin werden alle im Betrieb verwendeten Gefahrstoffe systematisch erfasst. Zu jedem Produkt werden grundlegende Informationen festgehalten, etwa Bezeichnung, Einsatzbereich und Gefahreneigenschaften.

Die wichtigste Informationsquelle dafür ist das Sicherheitsdatenblatt des Herstellers. Es enthält detaillierte Angaben zu möglichen Gefahren, zu Schutzmaßnahmen bei der Verarbeitung sowie zu Lagerbedingungen und Verhalten im Notfall. Diese Informationen bilden die Grundlage für Betriebsanweisungen und Unterweisungen im Betrieb.

 

Risiken entstehen oft bei der Lagerung

Viele Betriebe achten sehr genau auf den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen während der Verarbeitung. Deutlich häufiger entstehen Risiken jedoch bei der Lagerung.

Offene Gebinde, unklare Kennzeichnungen oder umgefüllte Behälter ohne Beschriftung führen schnell zu Unsicherheiten. Ein häufig unterschätztes Beispiel sind ölgetränkte Lappen. Durch chemische Reaktionen kann in solchen Materialien Wärme entstehen, die im Extremfall zu einer Selbstentzündung führt.

Eine klare Organisation der Lagerbereiche reduziert diese Risiken deutlich.

 

Ordnung bei Gefahrstoffen spart Zeit und Geld

Ein strukturierter Umgang mit Gefahrstoffen verbessert nicht nur die Sicherheit. Er erleichtert auch den betrieblichen Alltag.

In vielen Werkstätten stehen Produkte an unterschiedlichen Orten oder werden über längere Zeit aufbewahrt. Fehlen klare Lagerregeln oder ein aktuelles Gefahrstoffverzeichnis, entsteht schnell Unübersichtlichkeit. Mitarbeitende suchen nach Materialien, bestellen Produkte doppelt oder greifen zu ungeeigneten Alternativen.

Auch Dokumentationspflichten spielen eine Rolle. Sicherheitsdatenblätter, Betriebsanweisungen und Nachweise zum Umgang mit Gefahrstoffen müssen im Betrieb verfügbar sein. Fehlen diese Unterlagen bei einer Kontrolle oder nach einem Schadensereignis, kann zusätzlicher organisatorischer und finanzieller Aufwand entstehen.

Ein übersichtlich geführtes Gefahrstoffverzeichnis und klar strukturierte Lagerbereiche schaffen Transparenz. Arbeitsabläufe werden einfacher und der Betrieb bleibt handlungsfähig.

 

Kennzeichnung, Lagerung und Verhalten

Gefahrstoffe müssen eindeutig gekennzeichnet sein. Die bekannten Gefahrensymbole geben bereits auf den ersten Blick Hinweise auf mögliche Gefahren.

Für die Lagerung gilt ein einfacher Grundsatz. Gefahrstoffe sollten möglichst im Originalgebinde aufbewahrt und dicht verschlossen werden. Lagerbereiche sollten klar definiert sein und entzündbare Stoffe dürfen nicht in der Nähe möglicher Zündquellen stehen.

Auch das Verhalten im Arbeitsalltag spielt eine wichtige Rolle. Hautkontakt mit Gefahrstoffen sollte vermieden werden. Nach der Arbeit sollten Hände gründlich gereinigt werden. Verschüttete Stoffe müssen sofort aufgenommen werden.

Kommt es zu einer Leckage oder zu austretender Flüssigkeit, ist ein klares Vorgehen erforderlich. Der Gefahrenbereich wird gesichert, geeignete Schutzausrüstung verwendet und der Stoff aufgenommen oder gebunden. Anschließend erfolgt eine fachgerechte Entsorgung und Dokumentation.

Foto: Freepik (KI-generiert)

 

Dranbleiben lohnt sich

Der sichere Umgang mit Gefahrstoffen entsteht nicht durch große Konzepte, sondern durch klare Regeln im Alltag. Eine kurze Kontrolle der Lagerbereiche, ein Blick auf die Kennzeichnung und ein regelmäßiger Abgleich der Sicherheitsdatenblätter reichen oft aus, um Risiken deutlich zu reduzieren.

Wer diese Schritte regelmäßig durchführt, sorgt für mehr Sicherheit im Betrieb und schafft zugleich eine verlässliche Grundlage für den gesamten Arbeitsschutz. Im nächsten Teil der Serie rückt ein weiteres zentrales Thema des Schreinerhandwerks in den Fokus. Dann geht es um die Sicherheit von Maschinen und die Prüfpflichten, die im Werkstattalltag organisiert werden müssen.

 

Praxis-Tipp

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